8. Juli 2012

Wie der Mensch die Erde eroberte

The Social Conquest of Earth
Wilsons neuestes Werk (Bild Flickr)
Eine neue Supertheorie soll erklären, warum wir Menschen so sind wie wir sind. Warum wir Staaten bilden, warum wir Religion brauchen, warum Facebook uns so sehr fasziniert. Das Zusammenspiel zwischen individuellen Bedürfnissen und der Interessen der Gruppe, in die man eingebunden ist, sei die Antwort, behauptet der Biologe und pensionierte Harvard-Professor Edward O. Wilson in seinem neuen Buch „The Social Conquest of Earth“.

Verwandtenselektion

Menschen bilden Staaten. Sie sind aber nicht die einzigen Lebewesen, die das tun. Auch viele Insektenarten bilden komplexe Sozialsysteme mit Arbeitsteilung und Hierarchie. Seit den 60er-Jahren ist die Theorie vorherrschend, dass Verwandtschaft zu Staatenbildung geführt hat. Man hilft seinen Geschwistern, damit die Familien-Gene überleben. Gene, welche Uneigennützigkeit begünstigen, breiten sich so schnell in der Population aus. Laut Wilson ist diese These zu wenig umfassend. „Wenn es eine Theorie gibt, welche immer, und eine, die nur in einigen Fällen funktioniert, warum nicht einfach die generelle Theorie beibehalten?“ schreibt der zweifache Gewinner des Pulitzerpreises. Bei den Insekten waren es Nester, welche den Schritt zur Staatenbildung einleiteten, beim Menschen waren es Feuerstellen mit Schlafplätzen.

Gegensätzliche Instinkte

Bereits vor einer Million Jahren bildeten frühe Menschenformen die ersten Feuerstellen. Das Lagerleben führte dazu, dass sich die Menschen Aufgaben teilten, schliesslich musste das Lager bewacht werden. Es führte auch dazu, dass mehrere Generationen am selben Ort leben konnten. Enge Zusammenarbeit und Kommunikation waren für den Erfolg der Gruppe notwendig, etwa bei der Jagd oder im Kampf gegen andere Stämme. Daraus entsprang die Gruppenselektion, Wilsons Kernthese. „Gruppen, deren Mitglieder untereinander kooperieren, setzten sich gegen Gruppen, deren Mitglieder sich gegenseitig betrügen, durch.“ Altruistische Gene breiteten sich aus.

Zugleich ist der Mensch aber auch getrieben von egoistischen Instinkten. Diese gegensätzlichen Kräfte, so Wilson, sei über die Jahrtausende tief in unsere DNA verankert worden. Sie erklären nebst Kunst auch das Aufkommen von Religion. „Ein Schöpfungsmythos gab den Menschen eine einzigartige Identität, zwang sie zu Treue und Ordnung, ermutigte sie zu Mut und Opferung und gab dem Kreislauf des Lebens eine Bedeutung “, schreibt Wilson.

Sehnsucht nach kleinen Gruppen

Der Mensch ist von Natur aus ein Gruppentier. Facebook ist ein moderner Ausdruck davon. Doch Hunderte von Freunden zu haben liege nicht in der menschlichen Natur. „Unser Instinkt sehnt sich nach kleinen, vereinten Gruppen.“ Das Leben in solchen Gemeinschaften habe uns schliesslich jahrtausendelang geprägt. Unsere Instinkte, so eine Schlussfolgerung des Buches, sind steinzeitlich und hätten uns ungenügend auf das Leben in der modernen Zivilisation vorbereitet.

Kommentare:

  1. juhu, er schreibt wieder was!

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  2. Hört sich interessant an. Mal gucken, was das Buch kostet

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  3. Hallo Chris, Deine Seite schein ja leider eingeschlafen zu sein! Schade!
    Mich würde Deine Meinung zu der jetzt von Ketchum veröffentlichten Studie interessieren. Auch entwickelt sich das Erickson Projekt ja gerade in eine negative Richtung, so sind in diveren Foren angebliche Bilder von dem Matilda Video aufgetaucht, dass Chewbacca aus Star Wars sehr änlihc sehen und deswegen von vielen Fals Fake/Masek bezeichnet werden, so wie die Bilder denn aus dem angeblichen Video stamme. Ist jetzt alle Hoffnung verloren?

    Poste doch mal etwas neues dazu. Oder ist Dein Interessese an Bigfoot Mysterium gänzlich verflogen?

    Beste Grüße. Ein ehemaliger Leser Deines Bloqs

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  4. Stimme dem Vorredner 100% zu. Dein Blog hier, Chris, war immer spannend zu lesen, schade, dass es hier nicht weitergeht.
    Ja, mich würde deine Meinung zu den letzten Entwicklungen im Sasquatch-Feld ebenfalls interessieren.

    @ehemaliger Leser: das Erickson Projekt und die Ketchum-Studie können endgültig ad acta gelegt werden. Wie ich das sehe, kommt da nix gutes mehr rum :-(
    Melba Ketchum muss irgendwann im Laufe ihrer DNA-Studie klar gewesen sein, dass das alles zu nichts führt, warum sie trotzdem weiter gemacht hat, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

    Die angeblichen super tollen Erickson-Aufnahmen sind ja anscheinend doch nicht super toll. Das Matilda-Video sieht so was nach fake aus...unglaublich. Dies zu veröffentlichen und als echt zu verkaufen, find ich mega dreist.

    Mal gucken, was in den nächsten Wochen und Monaten noch so passiert, am Ball bleiben lohnt sich auf jeden Fall (wenn man Komödien mag). ;-)

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